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2  Von Zombies zu Zombanimals

Die Abgrenzung zum Turingtest, nämlich, dass dieser obskure Konzepte wie Denken, Bewusstsein, freien Willen und Kreativität "‘verbannt"’ und für diesen die einzig interessante Frage wäre, wie ein Ingenieur konkrete Artefakte erschaffen kann, erscheint schon fast suggestiv: "‘verbannt"’ werden nämlich bei Turing diese Konzepte nicht deswegen, weil sie, wie vielleicht die Autoren des Artikels suggerieren wollen, nicht nachgebaut werden könnten und man sich daher diesem Problem mittels Vogel-Strauss-Taktik entziehen würde, sondern schlicht und ergreifend, weil sie, linguistisch betrachtet, problematisch sind. D.h. sie sind entweder nicht wohldefiniert (mehrere, teils widersprüchliche Definitionen existieren) oder zu vage (man kann die Messlatte immer wieder verschieben, z.B. bei Kreativität).

In den darauf folgenden Absätzen wird der Begriff des philosophischen Zombies definiert, nämlich ein Geschöpf, das sich zwar nach außen hin exakt genauso verhält wie ein vorgegebenes "‘bewusstes"’, aber im Gegensatz dazu nicht über den geringsten Funken phänomenalen Bewusstseins verfügt, wobei letzterer Begriff durch Eigenschaften wie Selbstwahrnehmung, innere Gefühle, "‘eine Ansicht haben"’, "‘was es bedeutet, etwas zu sein"’ beschrieben wird.

Logisch möglich, also denkbar, ist es natürlich durchaus, dass solche Geschöpfe existieren. Allerdings ist auch denkbar, dass die Naturgesetze ganz anders sein könnten, als wir sie wahrnehmen oder dass es mehr Gesetzmäßigkeiten gibt, als wir kennen oder kennen können. Daher erscheint der Teil über die physikalische Möglichkeit von Zombies auch etwas fragwürdig: dort wird ein Gedankenexperiment durchgeführt, in dem alle bekannten Naturgesetze eingehalten werden und in dem das "‘natürliche"’ Gehirn einer Versuchsperson stückweise durch ein "‘künstliches"’ ersetzt wird, wobei das phänomenale Bewusstsein aber in selbem Maße verschwindet.

Dieses Argument steht aber auf wackeligen Beinen: einerseits, weil es eben ein noch unbekanntes oder gar unergründbares Naturgesetz sein könnte, dass Materie notwendigerweise Bewusstsein hervorbringt, wobei die Form der Materie auch die Form des Bewusstseins bedingen könnte. Dies ist genausowenig beweisbar wie das Gegenteil, das die Autoren offensichtlich annehmen.

Andererseits ergeben sich tatsächlich Widersprüche, wenn man ihr Gedankenexperiment in die reale Welt überträgt: wenn das "‘bewusste, natürliche"’ Gehirn kleinweise durch ein "‘unbewusstes, künstliches"’ ersetzt wird und der Patient die Änderung in seinem Bewusstsein "‘erlebt"’, dann bedeutet dies zunächst, dass diese Wahrnehmung nicht vom per definitionem "‘unbewussten, künstlichen"’ Gehirnteil gemacht werden kann. Wenn nun aber der "‘bewusste, natürliche"’ Teil davon erfährt, dann wohl nur, wenn die ausgetauschten Gehirnteile nicht funktional äquivalent zum originalen Teil sind — im Widerspruch zur Experimentannahme! Funktional äquivalent bedeutet nun einmal, dass man äußerlich, und das schließt hier den verbliebenen, natürlichen Gehirnteil mit ein, keinen Unterschied feststellen kann. Bliebe als letzte Rettung für dieses Argument, dass der im natürlichen Teil verbliebene Geist in dem Moment den Körper nicht mehr kontrollieren kann, in dem auch nur der kleinste Gehirnteil ausgetauscht wird, was im Text des zitierten Philosophen Searle ebenfalls zum Ausdruck kommt, wenn er sagt, dass "‘ihr Bewusstsein langsam im Nichts verschwindet, während das extern beobachtbare Verhalten gleich bleibt."’. Eine mehr als unsinnige Annahme, wenn man davon ausgeht, dass im Experiment natürliche Gehirnteile bis zum Schluss an motorischen Nerven verbleiben können! Wenn also weder der "‘natürliche, bewusste"’ Teil einen (subjektiven) Unterschied merkt, noch die Experimentatoren einen Unterschied im Verhalten feststellen können, wer könnte dann noch davon reden, dass überhaupt ein Unterschied existiert? Kurz gesagt, die physikalische Möglichkeit von Zombies durch inkrementelle Gehirnersetzung kann bezweifelt werden.


Copyright   ©  2002   Markus Mottl  ⟨markus.mottl@gmail.com
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