Wieder schlagen die Autoren sogleich mit einer unbegründbaren Behauptung zu: "‘Wir sind Personen, so seid ihr."’. Nun, obwohl wir das wohl von uns sagen würden, besteht kein objektiver Grund für uns, selbiges von Bringsjord et al. anzunehmen. Natürlich würden wir ihnen dies auch zugestehen, allerdings nicht aufgrund der von ihnen angedeuteten mathematischen Induktion, wo man sich schrittweise von einer primitiven, künstlichen Lebensform durch Anwendung von technischen Verfeinerungen an komplexere herantastet, sondern aufgrund von empirischer Induktion: wir verallgemeinern Beobachtungen, projizieren Selbsterfahrung in "‘ähnliche"’ Lebensformen. Doch diese Art von Induktion ist logisch nicht notwendigerweise konsistent, daher auch keine Garantie für Korrektheit!
Auch zeigt sich in diesem Teil der Arbeit ein Widerspruch zu einem anderen: hier wird (richtigerweise) behauptet, dass wir Menschen (homo sapiens sapiens) in einer realen Weise biologische Kreaturen, ja Tiere seien. Dies widerspricht allerdings später getroffenen Aussagen über die biologische Evolution, auf welche wir weiter unten noch genauer eingehen werden: Bringsjord meint dort, dass Evolution, die ja selber nichts anderes ist als schrittweise Verfeinerung von biologischen Kreaturen, nicht alle Eigenschaften des Menschen erklärt, die anderer Tiere aber schon. Wenigstens wagt er es nicht, das Wort "‘Intelligent Design"’ in den Mund zu nehmen…
Was sind nun die Eigenschaften, von denen Bringsjord meint, sie machten eine Person aus und könnten nur dem Menschen zugesprochen werden? Die Fähigkeit, in einer Sprache zu kommunizieren, "‘Freier Wille"’, Kreativität, phänomenales Bewusstsein und robustes, abstraktes Denken. Das hört sich natürlich wunderbar an, doch wenn wir ein durchschnittliches Exemplar der Gattung homo sapiens sapiens heranziehen, sagen wir, den typischen Großstadtneurotiker, dann ist es fraglich, ob Bringsjord einen solchen als ultimative Referenz für "‘Fähigkeit, in einer Sprache zu kommunizieren"’, "‘Freier Wille"’, "‘Kreativität"’ und insbesondere "‘robustes, abstraktes Denken"’ anerkennen möchte. Über phänomenales Bewusstsein kann man sicher noch streiten.
Die von den Autoren vertretene Meinung, dass es klar scheine, dass "‘KI nur über genug Feuerkraft verfüge, Zombanimals bis zur Stufe eines Schimpansen hervorzubringen"’, dass aber "‘Personen vom jetzigen Standpunkt der KI unerreichbar wären"’, wirft die Frage auf, ob die Autoren wirklich nur zeigen wollen, dass Maschinen kein Bewusstsein haben können. Vielmehr impliziert ihre Meinung, dass auch (sogar höhere) Tiere keines haben! Mangels anderer Kandidaten für Bewusstsein können wir ihre Einstellung gleich auf die Aussage reduzieren: "‘Nur Menschen haben Bewusstsein."’. Es wäre interessant, ob die Autoren ihre Meinung auch dann noch aufrecht erhalten würden, wenn sie sich darüber mit Kollegen aus dem nächsten Institut für vergleichende Verhaltensforschung bei Primaten unterhielten…