In weiser Voraussicht, dass viele Gegenargumente gegen ihre Ansichten vorgebracht würden, haben sich die Autoren auch mit potentiellen solchen auseinandergesetzt. Da wird zuerst auf den berechtigten Einwand eingegangen, dass dieser Artikel im Prinzip nur auf dem Standpunkt beharrt, dass KI kein Bewusstsein hervorbringen könne. Nach abschweifenden Argumenten, dass dies ohnehin schon längst anderswo bewiesen (sic!) wäre, verteidigen sich Bringsjord et al. damit, dass sie sich hier nur mit KI im "‘wirklichen Leben"’ mit "‘echten Praktikern"’ auseinandersetzten. Und dass das Resultat ihrer Erkenntnisse sei, dass es ein klarer Fakt wäre, dass es nicht den geringsten Hinweis gäbe, wie man einem Roboter oder einem künstlichen Agenten soetwas wie phänomenales Bewusstsein einhauchen könne. Dass wir auch nicht wissen, wie wir selbiges verhindern können, scheint die Autoren nicht weiter zu stören, während es bei dem einen oder anderen Leser den Verdacht erwecken könnte, dass wir es hier mit einem völlig unsinnigen Konzept zutun haben…
Doch es wird noch besser: auf den nächsten Einwand, dass doch auch der Mensch durch Evolution aus primitiveren, offenbar "‘weniger bewussten"’ Lebensformen hervorgegangen sei, dass also Bewusstsein inkrementell entstehen könne, antworten die Autoren kühn, um nicht zu sagen mit halsbrecherischem Wagemut, dass dieser Einwand bei weitem nicht fundiert wäre! Nämlich dass es noch immer ein offenes Problem sei, ob Evolution aufgrund eines sogenannten "‘Wallace’schen Paradoxons"’ zurückgewiesen werden müsse! Möglicherweise ist es den Autoren entgangen, dass Evolution insofern ein Faktum ist, als Artenbildung sowohl in freier Wildbahn als auch im Labor beobachtet und aufgezeichnet wurde — bereits oftmals2! Die Evolutionstheorie bezieht sich darüber hinaus auf die Annahme, dass diese Prozesse in der Vergangenheit ebenso abgelaufen sind, wie sie es heute tun. Das kann zwar nicht bewiesen werden, da die Zeit nicht zurückgedreht werden kann, aber zahllose Fossilien- und Artefaktfunde unterstützen diese Hypothese sehr, sehr stark. Alfred Wallace, ein Zeitgenosse Darwins, der wohl heute aufgrund obiger Funde wahrscheinlich anders argumentieren würde, konnte sich damals nicht erklären, warum die Evolution Gehirne hervorgebracht hat, die Dinge vermögen, die für das Überleben nicht notwendig sind. Eigentlich sollte es nicht verwundern, dass notwendige Fähigkeiten auch unnotwendige bedingen können. So müssen Seehunde in freier Natur nicht mit Bällen jonglieren können, mit der dafür notwendigen Geschicklichkeit können sie aber gewiss etwas anfangen. Um diesen Punkt abzuschließen, die Autoren zeigen hier mit ihren Argumenten ein fantastisches Unverständnis grundlegender naturwissenschaftlicher Begriffe und Erkenntnisse und wären gut beraten, sich in diesem Bereich etwas eingehender zu informieren, bevor sie haltlose Behauptungen aufstellen.
Auf die nächsten Einwände, nämlich dass Tiere phänomenales Bewusstsein bräuchten, um X (eine beliebige Aktion) zu vollbringen, und darauf, dass kognitive Wissenschaften anders an das Problem herangingen als die KI, wollen wir hier nicht weiter eingehen. Zwar ist es vorstellbar, dass manche sich auf diese Diskussion einlassen würden, aber wenn man den Standpunkt vertritt, dass weder das Vorhandensein noch die Absenz von phänomenalem Bewusstsein überprüfbar sind, erscheint die Präsentation dieser Einwände und deren Abwehr durch Bringsjord et al. wie das Einschlagen auf Strohmänner.
Der vorletzte Einwand sagt (richtigerweise) aus, dass die Latte für Menschen heimlich angehoben wurde. Hier versteigen sich die Autoren in wüsten Spekulationen über des Menschen Fähigkeit, mit infinitären Logiken umgehen zu können. Da wird zwar richtig erwähnt, dass die gültigen Formeln einer bestimmten solchen Logik durch Turingmaschinen nicht aufgezählt werden können, doch der Schluss, dass Menschen hier der Maschine überlegen wären, da sie sich mit formalen (sic!) Systemen beschäftigten, die Aussagen über solche Formeln machen, ist mehr als suspekt. Wir warten gespannt darauf, wie Bringsjord et al. uns demonstrieren, wie ihre überlegene menschliche Intelligenz es zu einer solchen Aufzählung bringt…
Schlussendlich muss auch noch Turing herhalten, indem ihm unlogische Argumentation untergeschoben wird, was unhaltbar ist, wenn man den Originaltext liest: das Argument bezieht sich auf die Fähigkeit von Maschinen, kreativ zu sein, also etwas Originelles hervorzubringen. Lady Lovelace, eine Mitarbeiterin von Charles Babbage, dem Erfinder der "‘Analytical Engine"’, meinte, dass diese Fähigkeit von Computern nicht erbracht werden könne. Laut Bringsjord et al. widerspricht sich Turing, da er einerseits zustimmt, dass dies auf die erwähnte Maschine zutrifft, aber gleich darauf festhält, sie sei zu universellen Berechnungen fähig. Liest man den Originaltext von Turing, so wird allerdings klar, dass er dies so nicht gesagt hat! Vielmehr stellt er klar heraus, dass "‘Lady Lovelace zur damaligen Zeit nicht über Hinweise verfügte, ob die betreffende Maschine diese Eigenschaft hatte oder nicht"’. Das ist ein ganz anderes Argument! Auch die weiteren Einwände Turings werden hoffnungslos verzerrt dargestellt: als ob Turing nur an Programmierfehler gedacht hätte, als er schrieb, dass ihn die Resultate von Computern manchmal überraschen! Sein Argument sagt aus, dass er manchmal über die Konsequenzen der Berechnung des Computers nicht ausreichend nachgedacht hat und deswegen überrascht wird. Dies schliesst vielleicht Programmierfehler ein, kann sich aber auch darauf beziehen, dass Turing nicht ausreichende Weitsicht hatte, um ein bestimmtes Ergebnis zu erwarten. Anders ausgedrückt: der Computer dachte schneller bzw. weiter und konnte daher etwas Unerwartetes finden.