Sigmund Freud würde bei den Autoren dieses Artikels wahrscheinlich diagnostizieren, woran die Menschheit offenbar schon seit Ewigkeiten leidet: narzistische Störungen, durch die Menschen sich selbst betrügen, mehr zu sein, als sie sind. Entgegen allen Erkenntnissen der Wissenschaft führt der Mensch verbissene Rückzugsgefechte vom selbsterbauten Sockel als Krone der Schöpfung. Zu den narzistischen Kränkungen, die uns durch Galileo Galilei astronomisch aus dem Mittelpunkt des Universums an einen unbedeutenden Ort katapultiert, durch Charles Darwins Einsichten Kenntnis über unsere evolutionäre Herkunft beschert, durch Sigmund Freud Einblick in unser dunkles Unterbewusstsein gewährt, durch Errungenschaften der Genetik unseren nicht so einzigartigen Platz unter den Lebewesen besiegelt hat, gesellt sich langsam aber unaufhaltsam die Einsicht, dass der Mensch auch intellektuell nicht notwendigerweise das Non-Plus-Ultra im Universum ist. Noch so viele Störversuche durch Verweis auf wissenschaftlich nicht sinnvoll überprüfbare und daher letztendes bedeutungslose Eigenschaften wie phänomenales Bewusstsein werden das nicht ändern.
Die Abkehr vom historisch gewachsenen, dualistischen Denken, wie es schon seit Menschengedenken unser Schicksal prägt und die Welt unbegründet in "‘bewusst"’ und "‘unbewusst"’, "‘lebendig"’ und "‘unbelebt"’, "‘Mensch"’ und "‘Tier"’, etc. trennt, ist immer noch eine Herausforderung unserer Zeit, wie dieser Artikel nur zu deutlich beweist…
Aktuelle naturwissenschaftliche Erkenntnisse aus Experimenten im neurophysiologischen aber auch im psychologischen Bereich zeigen, dass viele Annahmen, die wir mit dem Begriff Bewusstsein verbinden, bei näherer Betrachtung mit der Realität nicht im Einklang stehen. Manche Wissenschafter, z.B. Susan Blackmore3, gehen den mutigen Schritt, die von uns üblicherweise verwendeten Definitionen von Bewusstsein anzuzweifeln, sie gar als "‘Illusion"’ zu bezeichnen. Hoffentlich führt das dazu, dass Studenten in Hinkunft die Mühe erspart bleibt, solche Artikel wie die von Bringsjord et al. abzuhandeln…